Warum werden Kleinstädte als Reiseziele wieder interessanter?
Aktualisiert: 25. Juli
Beim jüngsten Expertengespräch von fvw | TravelTalk ging es um den boomenden Deutschlandtourismus. Deutschland gehört international zu den stark nachgefragten Reisezielen, und die Übernachtungszahlen im Inland haben 2025 erneut einen Höchststand erreicht. Dabei musste ich an eine Entwicklung denken, die ich in der Tourist-Information täglich erlebe.
Viele Gäste suchen keinen weiteren Ort an dem sie möglichst viel abhaken können. Sie fragen nach einer schönen Altstadt, einem See, einem Radweg, einem Café oder einem Platz an dem es nicht so voll ist. Nicht nach dem nächsten Highlight. Nach etwas das sich ruhig und echt anfühlt.
Das spielt Kleinstädten in die Karten. Sie bieten oft genau das was im Alltag vieler Menschen knapp geworden ist: überschaubare Wege, Ruhe, Natur, Geschichte und das Gefühl nicht schon beim Frühstück Teil eines Besucherprogramms zu sein.
Das ist kein Zufall. Slow Travel, Regionaltourismus, die Sehnsucht nach Authentizität — das sind keine Nischenthemen mehr. Wer in Venedig kaum noch durch die Gassen kommt oder in Barcelona zwischen Selfie-Sticks steht, sucht beim nächsten Mal etwas anderes. Und findet es oft in Orten die bisher kaum jemand auf dem Schirm hatte.
Was Gäste wirklich brauchen
Allerdings reicht es nicht, klein und hübsch zu sein.
Ein Gast der zum ersten Mal ankommt, weiß nicht automatisch welcher Weg sich lohnt, wann die Kirche geöffnet ist oder wo sich hinter der nächsten Häuserzeile ein besonderer Ort verbirgt. Neulich stand jemand vor mir der drei Tage in Ellwangen verbringen wollte — und keine Ahnung hatte was die Stadt außer der Basilika zu bieten hat. Nach unserem Gespräch hatte er mehr Ideen als Zeit.
Eine App liefert Treffer. Sie erkennt aber nicht immer was zu diesem Gast und zu diesem Tag passt. Was er gerade braucht. Ob er lieber durch den Wald läuft oder durch die Altstadt schlendert. Ob er einen ruhigen Nachmittag sucht oder ein besonderes Abendessen.
Die veränderte Aufgabe der Tourist-Information
Genau deshalb glaube ich nicht dass Tourist-Informationen ein Auslaufmodell sind. Ihre Aufgabe verändert sich. Weniger reine Informationsausgabe, mehr Orientierung, Einordnung und persönliche Empfehlung.
Der Deutsche Tourismusverband beschreibt Tourist-Informationen auch im digitalen Zeitalter als wichtige Kontaktpunkte — gerade die persönliche Beratung wird positiv bewertet.
Heute geht es darum Menschen willkommen zu heißen, Orientierung zu geben und die Geschichten hinter einem Ort zu erzählen. Den entscheidenden Tipp zu geben der aus einem schönen Ausflug eine bleibende Erinnerung macht.
Je digitaler die Reiseplanung wird, desto wichtiger werden Orte an denen Menschen einen echten Ansprechpartner finden. Kleinstädte haben hier einen Vorteil den sie oft unterschätzen. Ihre Stärke liegt nicht in spektakulären Attraktionen, sondern in dem was sich kaum digitalisieren lässt: Persönlichkeit, Gastfreundschaft und das Wissen der Menschen vor Ort.
Das ist keine Renaissance der Kleinstadt. Es ist eine Rückkehr zu etwas das nie verschwunden war — der Wunsch nach Orten an denen wir nicht nur willkommen sind, sondern uns auch orientieren können.




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